Davor Cesljar
 - 17. Februar 2021

SAP Sales Cloud vs. Oracle Sales Cloud: ein Vergleich der SFA-Anwendungen

Sie möchten Ihren Vertrieb stärker automatisieren und interessieren sich für die Sales Clouds von SAP und Oracle? Ein Vergleich der beiden SFA-Tools hilft dabei, herauszufinden, welches System besser zu Ihren Anforderungen passt.

Dass Automatisierungsprozesse einen zunehmenden Einfluss auf die Arbeitsabläufe in Vertrieben haben, ist längst kein großes Geheimnis mehr. Zahlreiche Softwareanbieter werben damit, Ihren Vertrieb besser, schneller und effizienter machen zu können. Aber wo liegen die Unterschiede zwischen den einzelnen Tools und welche Anwendung eignet sich in besonderem Maße für Ihr Unternehmen?

Der US-amerikanische Marktforschungs- und Datenanalyse-Experte Gartner kann Ihnen dabei helfen, der Antwort auf diese Frage näherzukommen: Seit mehr als 15 Jahren erstellt das Unternehmen in unregelmäßigen Abständen den sogenannten Magic Quadrant for Sales Force Automation, in dem es verschiedene Software-Anwendungen im SFA-Bereich miteinander vergleicht.

Heute möchte ich Ihnen die Ergebnisse des aktuellen Magic Quadrants vorstellen und dabei einen Vergleich der beiden CRM-Anwendungen SAP Sales Cloud C4C und Oracle CX Sales Cloud anstellen. Wo liegen die Stärken der beiden Plattforen, wo ihre Schwächen?

Was ist der Gartner Magic Quadrant for Sales Force Automation?

Der Gartner Magic Quadrant for Sales Force Automation (SFA) beurteilt 15 der marktführenden Softwareanbieter im Bereich Vertriebsautomatisierung anhand zweier Kriterien:

  • Das Kriterium Completeness of Vision (zu Deutsch etwa: „Ganzheitlichkeit der (Unternehmens-)Vision“) gibt an, ob ein Unternehmen Veränderungsprozesse innerhalb seines Marktsegments vorantreibt oder lediglich auf Marktveränderungen reagiert. In die Bewertung eines Unternehmens fließen dabei Kriterien wie etwa dessen Geschäftsmodell, seine Verkaufsstrategie und seine Innovationsbereitschaft ein.
  • Als Ability to Execute (zu Deutsch etwa: „Aktionsfähigkeit“) wiederum fasst Gartner Faktoren wie etwa die finanzielle Tragfähigkeit eines Unternehmens, dessen Reaktivität auf Marktveränderungen und seine Vertriebskanäle zusammen.

Anhand dieser beiden Eigenschaften vergleicht Gartner die untersuchten Unternehmen sowie deren Anwendungen und teilt sie einer von vier Kategorien zu:

  • „Leader“ (zu Deutsch: „Vorreiter“)
  • Challenger („Herausforderer“)
  • Visionaries („Visionäre“)
  • Niche Players („Nischenakteure“)
Der Gartner Magic Quadrant for Sales Force Automation bewertet und vergleicht die SAP Sales Cloud und weitere SFA-Anwendungen anhand der beiden Kriterien Completeness on Vision und Ability to Execute.

Der Gartner Magic Quadrant for Sales Force Automation bewertet und vergleicht die SAP Sales Cloud und weitere SFA-Anwendungen anhand der beiden Kriterien Completeness on Vision und Ability to Execute. (Quelle: Quelle: https://www.gartner.com/en/research/methodologies/magic-quadrants-research)

SAP Sales Cloud: Noch immer ein Vorreiter auf dem Gebiet der Vertriebsautomatisierung

Mit seiner breit aufgestellten Produktpalette auf dem Gebiet der CRM- und ERP-Tools nahm der Softwareanbieter SAP bereits in Gartners letztem Vergleich der SFA-Tools eine Vorreiterrolle auf dem Gebiet der Vertriebsautomatisierung ein. Der aktuelle Magic Quadrant zeigt nun, dass sich an diesem Umstand nichts geändert hat: Auch im aktuellen Vergleich der CRM-Anwendungen schneidet die SAP Sales Cloud gut ab. Dabei profitiert SAP insbesondere von seiner ausgeprägten Innovationsfreude, seinem tiefgreifenden Verständnis für die Entwicklung des Softwaremarktes sowie seiner Fähigkeit, selbigen voranzutreiben. Das Unternehmen zeichnet sich also nicht nur durch seine seine Completeness of Vision aus, sondern überzeugt auch mit seiner Ability to Execute.

SAP bietet eine umfassende CRM-Suite an, zu der unter anderem auch das CRM-Tool Sales Cloud gehört. Ihre drei Kernfunktionen verankern die Sales Cloud fest im Segment der SFA-Anwendungen:

  • Vertriebsautomatisierung
  • Erstellung von Configuration Price Quotes (CPQ)
  • Verwaltung von Sales-Performance-Management-Prozessen (SPM)

Über die Grenzen seiner Sales Cloud hinaus bietet SAP außerdem branchen- und anwendungsbereichsspezifische Tools für den Einzelhandel, die Dienstleistungsbranche, den Produktionssektor sowie für den Großhandel an.  Somit verfügen die Softwareprodukte von SAP über eine Vielzahl von Anwendungsgebieten sowohl im B2C- als auch im B2B-Sektor.

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Stärken und Vorteile der SAP Sales Cloud

Insbesondere in dreierlei Hinsicht kann SAP mit seiner Sales Cloud seine Vorreiterrolle unter Beweis stellen:

Software Deployment

Bei der SAP Sales Cloud handelt es sich um eine native Cloud-Anwendung mit mehreren Tenants (Instanzen), die beinahe ausschließlich auf von SAP selbst verwalteten Servern gehostet wird. Einzig ein Rechenzentrum in Russland wird nicht von SAP selbst betrieben – in diesem Fall arbeitet der Anbieter mit einem Partnerunternehmen zusammen.

Umfangreiche native Funktionen

SAP deckt mit seiner Applikation alle Kern- sowie eine Vielzahl an peripheren Funktionen, die zur Vertriebsautomatisierung beitragen, ab. Möchten Sie den Automatisierungsgrad Ihres Vertriebs nach und nach ausbauen, müssen Sie daher nicht auf Drittanbieteranwendungen zurückgreifen. Das kann ein entscheidender Vorteil sein, da von Drittanbietern bereitgestellte Tools nicht immer optimal mit Ihrer bereits vorhandenen Kernanwendung kompatibel sind. Da alle Tools und Module, mit denen Sie die SAP Sales Cloud erweitern können, von SAP selbst angeboten werden, sind derartige Kompatibilitätsprobleme so gut wie ausgeschlossen.

Nutzerzugänge und Testumgebung

SAP arbeitet nach einem skalierbaren Lizenzsystem. Von der Anzahl der Nutzungslizenzen, die Sie erwerben, hängt ab, wie viele Nutzerzugänge Sie für Ihr System anlegen können. Zusätzlich zu den erworbenen Nutzungslizenzen umfasst der Lieferumfang der SAP Sales Cloud einen . Sollten Sie weitere Nutzer- oder Testzugänge benötigen, können Sie diese bei Bedarf nachträglich erwerben.

Nachteile und Schwächen der SAP Sales Cloud

Doch nicht in jeder Hinsicht kann SAP seine Nutzer überzeugen. Im aktuellen Vergleich der SFA-Tools identifiziert Gartner drei primäre Schwachpunkte der SAP Sales Cloud:

Unklare Produkt-Roadmap und Marketingstrategie

Anwender bemängeln, dass SAP sich im Hinblick auf die mittel- bis langfristige Entwicklung seiner Sales Cloud recht bedeckt halte. Grundsätzlich genießt die SAP Sales Cloud bei den von Gartner befragten Nutzern eine positive Außenwahrnehmung. Die Nutzer geben jedoch an, dass es dem Softwarekonzern nicht gelinge, seine Produkt-Roadmap und seine Marketingstrategie im Hinblick auf Ausbau und Verbesserung der Anwendung klar nach außen hin zu transportieren.

Mangelhafter technischer Support

Die Einführung einer SAP-Anwendung ist ein komplexer Prozess. Die von Gartner befragten Nutzer der SAP Sales Cloud bemängelten, dass der technische Support, mit dem SAP seinen Kunden zur Seite steht, mitunter zu wünschen übriglässt. Das gilt insbesondere für den Support während der Einrichtung des Systems sowie während der anfänglichen Nutzungsphase. Auch die Hilfe- und Schulungsressourcen für den Umgang mit der Sales Cloud, die der Anbieter seinen Kunden zur Verfügung stellt, konnten die befragten Nutzer nicht überzeugen.

Begrenzte Integrationsmöglichkeiten

Wie bereits erwähnt, bietet SAP eine Vielzahl an nativen Funktionen für seine Sales Cloud an. Prinzipiell ist das ein großer Vorteil der Anwendung – allerdings verbirgt sich hierin auch ein Nachteil: Sollten Sie doch einmal die Einbindung eines Drittanwendertools in Erwägung ziehen, kann sich die Integration dieser Anwendung in Ihr bestehendes SAP-System schwierig gestalten. So berichtet beispielsweise die von Gartner befragte Nutzergruppe, dass es schwierig sei, externe Reporting- oder Dokumentenmanagement-Tools in ein bestehendes SAP-System zu integrieren.

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Oracle CX Sales Cloud: Vorreiterrolle dank KI-gestützten Forecastings

Ähnlich wie SAP identifiziert Gartner auch den texanischen Software-Hersteller Oracle als einen der Vorreiter auf dem Gebiet der SFA-Anwendungen. Das Herzstück seiner CRM-Suite ist die Software-as-a-Service-Anwendung Oracle CX Sales Cloud. Dabei handeltes sich um ein CRM-Tool, das in den Bereichen B2B, B2C sowie Indirect Sales eingesetzt werden kann. Neben den CR-Kernfunktionen umfasst der Lieferumfang der Oracle CX Sales Cloud auch ein Tool zur Verwaltung von SPM-Prozessen. Zusatzanwendungen, etwa für die Verwaltung von Abonnements oder CPQs, sind ebenfalls verfügbar, jedoch nicht standardmäßig inbegriffen.

Aufgrund seiner Funktionen und seines Aufbaus richtet sich die Oracle CX Sales Cloud insbesondere and mittelständische und große Unternehmen, die über einen großen Vertrieb und komplexe Vertriebsprozesse verfügen.

Oracle hat seine Sales Cloud im vergangenen Jahr stark überarbeitet und unter anderem die Forecasting- und PRM-Funktionen sowie die KI-gestützte Verkaufsführung verbessert. Zukünftig möchte das Unternehmen außerdem die Nutzeroberfläche seiner Sales Cloud überarbeiten und neue Funktionen für den Onlinehandel einführen.

Vorteile und Stärken der Oracle CX Sales Cloud

Im Zuge ihrer Untersuchung hebt die Datenanalyse bei Gartner drei Charakteristika und Funktionen der Oracle CX Sales Cloud als besonders positiv hervor:

Klar definierte Produktstrategie

Im Gegensatz zu seinem Mitbewerber SAP kommuniziert Oracle die Produktstrategie für sein CRM-Tool offen nach außen. So plant Oracle, seine Anwendung künftig stärker auf die Automatisierung von Vertriebsprozessen auszurichten. Zu diesem Zweck verfügt die Oracle CX Sales Cloud schon jetzt über eine Vielzahl nativer Funktionen sowie über ein großes Repertoire an Add-Ons, die sich in die SFA-Anwendung integrieren lassen.

Branchenspezifische Modifizierbarkeit

Im Vergleich zu vielen anderen Anbietern von SFA-Anwendungen hält die Oracle Sales Cloud ein besonders großes Portfolio an hochspezialisierten Produktlösungen bereit. So kamen im vergangenen Jahr beispielsweise Tools, die speziell auf die Anforderungen der Automobilindustrie, der Kommunikationsbranche und der Verbrauchsgüterindustrie zugeschnitten waren, hinzu. Als Nutzer haben Sie daher die Möglichkeit, Ihr SFA-System individuell an die Anforderungen Ihrer Branche anzupassen.

KI-gestütztes Forecasting

Oracle setzt in seiner Sales Cloud verstärkt auf den Einsatz KI-gesteuerter Predictive Forecasting Tools. Beim Predictive Forecasting handelt es sich um eine Erweiterung des klassischen Forecastings, im Zuge derer mithilfe von Daten neue kausale Zusammenhänge ermittelt werden. Diese bereichern den bereits bestehenden Datensatz und sorgen so für einen besseren Forecast-Output. Mit jedem weiteren, aufgedeckten Zusammenhang zwischen Daten lässt sich der Predictive Forecast weiter verbessern. Oracles KI-getriebene Predictive Forecasting Anwendung greift dabei auf Daten aus dem Enterprise Research Planning zurück: Sie verknüpft Daten aus Bestelleingängen, Rechnungen und Bestellpositionen mit Informationen über ausstehende Geschäfte.

Nachteile und Schwächen der Oracle CX Sales Cloud

Im Vergleich der SFA-Anwendungen schneidet Oracle CX Sales Cloud also insbesondere hinsichtlich geplanter und bereits integrierter Softwarefunktionen gut ab. Es gibt jedoch auch einige Funktionen, die von den von Gartner befragten Nutzern als verbesserungswürdig eingestuft werden:

Mangelhafter Kundenservice und technischer Support

Ein Großteil der von dem Marktforschungsinstitut befragten Nutzern stuft Oracle im Hinblick auf die Qualität des Kundenservices sowie des technischen Supports deutlich unterhalb seiner Mitbewerber ab.

Geringe Nutzerfreundlichkeit

Wie bereits erwähnt plant Oracle, die Nutzeroberfläche seiner Sales Cloud zu aktualisieren. Dieser Schritt ist dringend nötig, denn Nutzer empfinden das gegenwärtige Interface als unübersichtlich und veraltet. So gestalte sich beispielsweise die Abwicklung administrativer Tätigkeiten, wie beispielsweise die Accountfreigabe im Zuge der Regionsfreigabe, mitunter ausgesprochen mühsam.

Mangelhafte Kundenberatung

Auch im Hinblick auf die Qualität seiner Beratungsleistung besteht für Oracle Verbesserungspotenzial. In der von Gartner durchgeführten Befragung schneidet Oracle hier im Vergleich zu anderen als „Leader“ eingestuften Unternehmen unterdurchschnittlich ab.

SAP Sales Cloud und Oracle CX Sales Cloud: Zwei Vorreiter auf dem Gebiet der SFA-Anwendungen

Der Vergleich der Sales Clouds von SAP und Oracle zeigt: Beide SFA-Anwendungen glänzen mit umfangreichen nativen Funktionen und einem hohen Maß an Modifizierbarkeit. Beide Anwendungen können daher passgenau auf die Anforderungen Ihres Unternehmens zugeschnitten werden.  Doch während die Oracle CX Sales Cloud dank ihrer klar definierten Produktstrategie das Vertrauen ihrer Nutzer genießt, hält sich SAP in dieser Hinsicht eher bedeckt. Die SAP Sales Cloud wiederum fällt mit ihrer hohen Anwenderfreundlichkeit positiv auf. Aufgrund ihrer veralteten Nutzeroberfläche besteht hier dringender Nachholbedarf für die Oracle CX Sales Cloud.

Kostenlose Websession

Aber welche der beiden Anwendungen eignet sich besser für Ihren Vertrieb? Ich berate Sie gerne.

Davor Cesljar

Davor Cesljar

Mein Name ist Davor Cesljar und ich bin Experte rund um das Thema CRM und Digitalisierung der Customer Experience. Als Fachbereichsleiter von Customer First berate ich Unternehmen – vom Start-Up bis zum Konzern – strategisch auf diesem Gebiet und verbinde dabei meine fachliche Expertise im Bereich CX mit individuellen Kundenanforderungen.

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